| Wie verlief
Ihr Weg zur Musik und zur Harfe? Mein
musikinteressiertes Elternhaus hat natürlich
meine Berufswahl beeinflusst. Ich bekam früh
Klavierunterricht, besuchte Konzerte, Theater. In
einem Kammerkonzert für Flöte und Harfe hörte
ich Helga Storck. Statt Klavier Harfe zu spielen
schien ein unerreichbarer Traum ergab sich
dann aber ganz plötzlich fast von selbst. Von
meinen Eltern erfuhr ich dabei jede
wünschenswerte Unterstützung.
Ist
der Komponist Wolfgang Köhler Ihr Vater? Hat er
für die Harfe komponiert?
W.
Köhler ist nicht nur nicht
mein Vater, er auch in keiner Weise mit mir
verwandt. Wolfgang Köhler lernte ich vor etwa 25
Jahren kennen.
Er
komponierte zunächst die Aphorismen
für Harfe und Klavier für uns, das Langnickel-Duo.
Der mit diesem so humorvollen und herzlichen
Menschen schnell entstandenen Freundschaft
entsprangen seine beiden großen Harfensolowerke:
Triptychon Op.59 und
Variationen über ein Thema von J.S. Bach
in der Bearbeitung von J. Brahms Op.62,
weiter Meditationen für Harfe und
Klavier/Cembalo/Orgel, Concertino
für Harfe, Klavier und Orchester (bisher nur in
der Fassung als Harfe-Klavier Duo-Stück
Konzertstück aufgeführt!) und
zuletzt die Jerusalem Fantasie für
Harfe und Klavier. Wolfgang Köhler starb im
Oktober 2003 80-jährig.
Welche
Musiker haben Sie am meisten beeindruckt und
beeinflusst?
J.S. Bach, The Rolling Stones,
Dietrich Fischer-Dieskau
Warum
wollten Sie nicht ins Orchester?
Die
Mentalität der Orchestermusiker, die ich zu
Studienzeiten kannte, empfand ich als äußerst
abtörnend. Außerdem wollte ich
autark in Programm- und musikalischer Gestaltung
sozusagen mein eigener Herr
sein. Dann sah ich
die ersten Hakenharfen aus Japan, und damit war
die Möglichkeit offen, die Harfe zu
popularisieren.
Ich
hatte ja schon während des Studiums ein paar
Klavierschüler und gemerkt, dass ich dafür ein
Händchen habe und meine Lust am Unterrichten
entdeckt.
Sie
haben erfolgreich nach Literatur für die
unmögliche Instrumentenkombination
Harfe plus Tasteninstrument gesucht, und Ihre
Spezialität ist das Duo Harfe mit Klavier,
Pianoforte, Orgel oder Cembalo, zusammen mit
Ihrem Mann Reinhard Langnickel. Wie sind Sie
dabei vorgegangen, um sich ein Repertoire und
eine geeignete Spieltechnik für das
Zusammenspiel dieser zwei Instrumente zu
erarbeiten?
Die
Literatur zu finden war nicht das Problem, sie zu
bekommen fast nichts war damals verlegt
schon schwieriger, vor allem sehr teuer,
es gab zu Beginn unserer Arbeit noch nicht
unbegrenzt Kopiermöglichkeiten, Mikrofilme waren
meist in sehr schlechter Qualität, Computer
gar nicht dran zu denken, das hieß also
auch: Noten abschreiben, meist in Nachtarbeit.

Die
Spieltechnik? Nun, wir waren mit einer guten
Ausbildung ausgerüstet, der Rest war und ist
Arbeit, Kontrolle, Arbeit. Wissen aneignen um die
Klangvorstellung der jeweiligen Epochen.
Zunächst haben wir das Repertoire auf modernen
Instrumenten einstudiert, später hatten wir die
passenden historischen Instrumente. Da wir aber
auch immer sehr an zeitgenössischer Musik
interessiert waren/sind und unseren Auftrag auch
darin sahen/sehen, diese zu vermitteln, ist es
außer bei ganz speziellen Veranstaltern
für historische Musik für uns
interessanter, gemischte Programme auf modernen
Instrumenten zu spielen und auf diese bei der
Literatur des Barock und der Klassik die
klangliche Idee der historischen Instrumente zu
transportieren. Entscheidend
ist nicht das Instrument, sondern das Vermitteln
des Zeitgeistes, in dem das Werk
entstanden ist, so gut wie möglich hinzubekommen.
Welche
Probleme mussten Sie dabei überwinden?
Schnell
und laut spielt es sich schwerer auf moderner
Harfe zu modernem Klavier als auf z.B. Erard-Harfe
zu Hammerklavier, heißt also: arbeiten
Sie
haben sehr früh angefangen, Kinder zu
unterrichten und haben Lehrwerke verfasst.
Welches sind Ihre pädagogischen Erkenntnisse,
Erfahrungen und Grundsätze?
Geduld,
Offenheit, Neugier, Menschenliebe, Freude über
das Interesse an der mir so wichtigen Musik.
Achtung vor dem und Beachtung des Individuums.
Jeder bekommt das, was er erreichen will. Jeder
hat ein anderes Ziel, muss aber auch einen
anderen Weg gehen. Es lohnt sich immer, auch das
kleinste Licht fängt auf seine Weise an zu
leuchten eines Tages. Meine Aufgabe ist es,
zu verlocken die Ansprüche an sich und an ihr
Können bei den Schülern höher zu schrauben.
Es
gibt keine starren Regeln. Ein Kollege sagte mir
kürzlich: Wenn du nach zehn Jahren noch
Unterricht vorbereiten musst, stimmt was nicht.
Das sehe ich überhaupt nicht so, und es wäre
mir auch viel zu langweilig. Ich finde es
spannend, mit jedem neuen Schüler seinen Weg
herauszufinden.
Wenn
ich mit fortgeschrittenen Schülern im Ensemble
spiele, fühlen sich hoffentlich alle quasi
gleichberechtigt, jeder bekommt die seinem
Können gemäße Aufgabe und muss manchmal über
sich hinauswachsen. Ich glaube, das macht meinen
Schülern genau soviel Spaß wie mir.
Welches
sind die wichtigsten Kompositionen, die Sie
veranlasst und uraufgeführt haben?
Von
Wolfgang Köhler siehe oben, weiter von Max Stern
Jacob Struggling with the Angel für
Harfe und Klavier. Ganz wichtig die drei
kleinsten Stücke:
Nachtstücke für Harfe und Klavier
von Manfred Trojahn, die er während unserer
gemeinsamen Studienzeit und Freundschaft in
Braunschweig auf mein Betreiben schrieb und mit
denen ich mir meinen Mann geangelt habe.
Natürlich
ist mein meistgespieltes und sehr erfolgreiches
zeitgenössisches Werk eine Eigenkomposition,
aber das Pseudonym lüfte ich auch hier noch
nicht.
Welche
Entwicklung sehen Sie in der gegenwärtigen
musikalischen Präsenz der Harfe in Deutschland
seit dem Beginn Ihrer Berufslaufbahn und in der
weiteren Zukunft?
Starke
Zunahme der Harfenpräsenz und Wahrnehmen der
Vielfalt der Harfentypen und -musik. Im Moment boomt die Harfe
besonders stark, soviel Schüler hatte ich noch
nie, einerseits ist das wohl ein
Multiplikationseffekt, andererseits, besonders
bei Unterrichtsnachfrage von Erwachsenen geht das
parallel mit der aktuellen Mystik und Feenwelle
einher, einer Sehnsucht nach archaischen Klängen
(irische Folkmusik steht bei dieser Klientel ganz
oben an) und einer diffus romantischen
Vorstellung bei fast allen, die sich für die
Harfe entscheiden. Die sind dann meistens positiv
überrascht, bei meinen Konzerten zu hören, was
die Harfe sonst noch zu bieten hat als
musikalisches Ausdrucksmittel.
Wie es weitergeht kann man ja
nicht wissen, ich glaube aber, die
Tatsache, dass so viele spannende neue Werke für
und mit Harfe entstanden sind, bannt die Gefahr,
dass die Harfe als Solo- und
Kammermusikinstrument wieder so in der Versenkung
verschwindet wie nach 1800.
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